Arbeitskreis: Gasturbinen

Auszug aus dem Tätigkeitsbericht 2018

Die Gasturbinentechnologie wird besondere Bedeutung bei der Transformation von einer fossilen in eine regenerative Energiewelt haben. Diese Erkenntnis, die in weiten Kreisen der mit Kraft-Wärme-Kopplung und Gasund Dampfturbinentechnik (GuD) befassten Institutionen seit langem vorherrscht, scheint sich nun langsam aber sicher auch in der Politik durchzusetzen. Nach dem Ausstieg aus der Atomkraft Ende 2022 hat sich die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission Ende Januar 2019 auf einen Ausstiegsplan geeinigt. Demnach sollen bereits bis 2022 12,5 GW Kohlekraftwerkskapazität vom Netz genommen werden. Deutschland wird dann nach 2038 neben Erdgas komplett auf erneuerbare Energien setzen.

Trotz der vielen Änderungen in der KWK-Ausschreibungsverordnung sowie an anderen Gesetzen – Stichwort Energiesammelgesetz – und der damit verbundenen Planungsunsicherheit wurden immerhin in den KWK-Ausschreibungsrunden vom Dezember 2017 und Juni 2018 für 175 MW elektrische KWK-Leistung Zuschläge erteilt, wobei allerdings auch Modernisierungsprojekte an Bestandsanlagen enthalten sind. Daneben hat die Deutsche Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt Berlin (DEHSt) in ihrem Emissionsbericht 2017 festgestellt, dass der Erdgaseinsatz in den energieerzeugenden Anlagen um 2,4 % zugenommen hat. Mit dem gleichzeitigen Rückgang des Stein- und Braunkohleeinsatzes gab es eine Reduzierung der CO2 -Emissionen in Energieanlagen gegenüber 2016 von immerhin 5,4 %.

Der jährliche Überblick über den CO2 -Emissionshandel gehörte natürlich wieder zu den behandelten Themen des Gasturbinenexpertenkreises der ASUE, der sich in 2018 zum jährlichen Treffen in München zusammengefunden hat. Die Praxisberichte über Modernisierungs- und Neubauprojekte in der Industrie, hier seien die erfolgreichen Umsetzungen bei der Molkerei Meggle in Wasserburg sowie der Deutschen Extrakt Kaffee in Berlin genannt, zeigen deutlich, mit welchen Hindernissen sich Anlagenbetreiber auseinandersetzen müssen, die ihnen teilweise vom Gesetzgeber als auch von Stromnetzbetreibern aufgebürdet werden.

Zunehmend befasst sich der Expertenkreis mit der Flexibilisierung des Gasturbinenbetriebs und der Verbrennung von Wasserstoff in Gasturbinenbrennkammern. Diese sind Gegenstand zahlreicher Forschungsvorhaben, die neben Instituten wie die DLR – Deutsches Institut für Luft- und Raumfahrt – auch Anlagenhersteller wie Siemens und Kawasaki intensiv durchführen. Trotz gewisser Fortschritte bei der Wasserstoffzumischung zum Erdgas und anschließender Verbrennung in Gasturbinenbrennkammern scheint es noch ein weiter Weg zu einer komplett „regenerativen Technologie“. Hier sei noch eine Pressemeldung des Branchenverbandes der europäischen Gasturbinenhersteller EU Turbines erwähnt, die sich mit der Kampagne „#PowerTheEU“ verpflichten, ihre Gasturbinen, die aktuell ausschließlich Erdgas verbrennen, bis zum Jahr 2030 schrittweise auf erneuerbare Brennstoffe umzustellen.

Bis zum Jahr 2020, also bereits heute, sollen Retrofit-Lösungen angeboten werden, die es erlauben, einen Anteil von 20 % Wasserstoff in bestehenden Anlagen einzusetzen. Es bleibt also weiterhin spannend.

Ansprechpartner:
Dietmar Jelinek
München
Die Experten des Gasturbinenkreises hören interessiert zu.
Prof. Bohn von B&B Agema während seines Vortrags
Get-together in den Räumen von Bayernwerk Natur.