Arbeitskreis: Blockheizkraftwerke

Auszug aus dem Tätigkeitsbericht 2018

Der Arbeitskreis ist eine Plattform zum Informations- und Ideenaustausch. Er bespricht aktuelle technische Entwicklungen, diskutiert Geschäftsideen und formuliert Anregungen an die ASUE-Geschäftsstelle, welche diese durch Stellungnahmen, Broschüren oder Veranstaltungen in Richtung Anwender und Politik übermittelt. Der Arbeitskreis wird seit dem Jahr 2017 von seinem Vorsitzenden Dr. Georg Klene von den Stadtwerken Lemgo oder seinem Stellvertreter Gerhard Neuhaus von der DEW 21 geleitet.

Auch das Jahr 2018 war für den Arbeitskreis im Wesentlichen durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen, interessante Firmen- und Projektvorstellungen und die Mitarbeit an verschiedenen AUSE-Broschüren gekennzeichnet.

Im Rahmen eines Gastvortrages stellte die Firma Sokratherm im März 2018 die Medium Combustion Plant Directive (MCPD) im Arbeitskreis vor. Die MCPD ist eine EU-Richtlinie zur Begrenzung der Emissionen bestimmter Schadstoffe aus mittelgroßen Feuerungsanlagen in die Luft. Die nationale Umsetzung erfolgt durch die 44. BImSchV Ende 2018. Ein Umsetzungsversuch mit Hilfe der TA Luft scheiterte, da mit einer Verwaltungsvorschrift keine EU-Vorschrift in nationales Recht umgesetzt werden kann. Die 44. BImSchV betrifft genehmigungsbedürftige Feuerungs-, Gasturbinen- und Verbrennungsmotoranlagen mit einer Feuerungswärmeleistung < 50 MW, aber auch nicht genehmigungsbedürftige Anlagen mit ≥ 1 MW Feuerungswärmeleistung, ersetzt diesbezüglich die TA Luft und ändert demzufolge auch die 1. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz (1. BImSchV). Kritik wurde im Gesetzgebungsverfahren insbesondere an der Verschärfung der Stickstoffoxid (NOx)-Grenzwerte auf 0,1 g/m³ geübt, da sich dieser nur mit Hilfe von Sekundärmaßnahmen, sogenannten selektiven katalytischen Reaktoren (SCR) erreichen lässt. Insbesondere für Bestandsanlagen wurden längere Übergangsfristen gefordert, da der Platz für eine SCR Anlage an den wenigsten BHKW-Standorten vorhanden ist und damit die vorzeitige Außerbetriebnahme der KWK-Anlage drohte.

Hinsichtlich der gesetzlichen Rahmenbedingungen wurden im Arbeitskreis auch die Gerüchte um die geplante Neuregelung der Stromsteuerbefreiung für KWK-Anlagen nach § 9 Abs. 1 Nr. 3 StromStG (Steuerbefreiung für dezentrale Versorgungskonzepte) diskutiert. Es herrschte erhebliche Unruhe aufgrund der Tatsache, dass das Bundesministerium der Finanzen (BMF) möglicherweise eine Herabsetzung der Leistungsgrenze auf 1 MW vorgesehen hatte, welches dramatische Auswirkungen auch für Neu- und insbesondere Bestandsanlagen gehabt hätte, da es keine Übergangsfristen gegeben hätte. Der inzwischen vom BMF vorgelegte Referentenentwurf eines „Gesetzes zur Neuregelung von Stromsteuerbefreiungen sowie zur Änderung energiesteuerlicher Vorschriften“ enthält die Grenze in Höhe von 2 MW elektrischer Leistung. Das Gesetz soll nun frühestens am 1. Juli 2019 in Kraft treten und bedarf der beihilferechtlichen Genehmigung der EU.

Die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch war im Jahr 2018 Dauerthema. Ende des Jahres 2017 sorgte die Botschaft für Aufsehen, dass sogenannte KWK-Neuanlagen, die nach dem 01.08.2014 in Betrieb gegangen sind, ab dem 01.01.2018 die volle EEG-Umlage zahlen sollten, da die EU-Kommission die Genehmigung für die Begrenzung auf 40 % der EEG-Umlage nach § 61b des EEG 2017 nicht erteilt hatte. Eine erste Verständigung zwischen EU und Bundesminister Altmaier wurde bereits im Mai verkündet. Während des langen Wegs der Umsetzung stand der KWK-Branche und insbesondere den Betreibern betroffener KWK-Anlagen der Schweiß auf der Stirn, da auch eine rückwirkende Erstattung der EEG-Umlage nicht sicher war. Im November und Dezember wurde das Energiesammelgesetz dann in einem zweifelhaften Verfahren und ohne ordentliche Verbändeanhörung durchgepeitscht, welches zum 01.01.2019 und rückwirkend zum 01.01.2018 in Kraft trat. Als Bestandteil des Änderungsgesetzes wurde das KWKG 2017 bis 2025 verlängert, wobei auch hier keine langfristige Rechtssicherheit besteht. Insbesondere bleibt zu hoffen, dass zeitnah die beihilferechtliche Genehmigung der EU über das Jahr 2022 hinaus eingeholt wird, damit eine zumindest mittelfristige Planungssicherheit hergestellt wird.

Zu Gast im Arbeitskreis war auch die Firma Viessmann, die den aktuellen Entwicklungstand ihrer Brennstoffzellenheizsysteme erläuterte. Viessmann setzt auf ein kompaktes System, das neben einer Brennstoffzelle (750 Wel) und (1 kWth) einen Gas-Brennwert-Spitzenlastkessel sowie einen Speicher für die Warmwasserbereitung in einem Gehäuse zusammenführt. Um die Markteinführung zu vereinfachen, setzt Viessmann auf ein von technischen Eigenschaften losgelöstes Marketing und einen Förderservice, der die Kunden ähnlich einem Leitfaden durch den Förderdschungel führen soll.

Als weitere Brennstoffzellenanwendung stellte E.ON die Projekte mit dem Hotel Radisson Blu in Frankfurt und der Firma Friatec AG vor. In beiden Projekten kommt eine Brennstoffzelle der Firma FuelCell Energy Solutions GmbH (FCES) zum Einsatz, die im Radisson eine Leistung von 400 kWel und an dem Industriestandort eine Leistung von 1,4 MWel haben. E.ON hat in dieser Brennstoffzellen-Leistungsklasse viel Wissen aufgebaut und bot den AK-Mitgliedern Unterstützung bei ähnlichen Projekten an. Die bisherigen Betriebserfahrungen wurden als durchweg positiv eingeschätzt.

Weitere Gäste und Themen im Arbeitskreis waren die Firma Move Services, die eine White-Label-Lösung für das Thema Mieterstrom vorstellte, die Firma Loratech, die industrielle KWK-Anlagen und Abluftreinigungsanlagen errichtet, sowie die Firma Rudolf Schmid AG aus der Schweiz, die den Entwicklungsstand eines neuen Freikolben-Resonanzstirling Motors vorstellte.

Der Arbeitskreis hat aktiv am „Leitfaden zur Anmeldung und steuerliche Behandlung von kleinen BHKW“, dem Thema „Mieterstrommodelle“ sowie „Sanieren mit Brennstoffzelle“ mitgearbeitet.

Der Arbeitskreis wird sich auch in Zukunft mit den insbesondere durch den Gesetzgeber getriebenen Marktveränderungen auseinandersetzen und nach Möglichkeiten suchen, Brennstoffzellen und BHKWs wirtschaftlich einzusetzen – denn eines steht fest: KWK ist das Urgestein der Sektorenkopplung und aus der zukünftigen Versorgungslandschaft aufgrund seiner Flexibilität nicht wegzudenken

Ansprechpartner:
Dr. Georg Klene
Lemgo

1. Sitzung 2018: 14./15.03. in Lemgo

Die AK-Mitglieder vor den Stadtwerken Lemgo.
Im BHKW-Gebäude der Stadtwerke Lemgo.

2. Sitzung 2018: 19./20.09 in Essen

An der Absorptionskältemaschine von York in der E.ON-Zentrale.
Besichtigung der BHKW von GE Jenbacher in der E.ON-Zentrale.
Angeregte Diskussion über die gezeigte Energietechnik.